Die Wertachfreunde Unterallgäu im Jahre 2017

 

Leo Rasch

 

Haben Sie schon mal von einem Fluss Film Fest gehört? Die GRÜNE LIGA und ihre Partner rufen mit der „Alpine Wildflüsse Flussfilmtour“ dazu auf, die letzten unverbauten Wildflüsse in Europa zu erhalten.

In Zusammenarbeit mit den Wertachfreunden und dem Filmhaus Huber war sie am 2. April 2017 in Türkheim zu Gast. Mit Stolz können wir sagen, einer von 150 Veranstaltungsorten weltweit zu sein. In der Matinee wurden die Filme: „Der bayerische Lech- gefürchtet, geliebt, gefangen“ von Heinz Förder und „Wasser voller Wunder“ vom Landesfischereiverband Bayern e.V. gezeigt. Darin wird deutlich auf die Probleme in den heimischen Fließgewässern eingegangen. Um mögliche Lösungsansätze ging es in der anschließenden Diskussion.

Herr Rieg vom Wasserwirtschaftsamt Kempten stellte dabei das Umsetzungskonzept für die Wertach in Aussicht. Am Nachmittag wurden Kurzfilme über die Bedrohung vieler unberührter Flüsse durch zahlreiche Kraftwerksprojekte gezeigt. Auch die Eisenbreche bei Hinterstein war Thema. Mit einem aufschlussreichen,

90 minütigen Film zum Rückbau einer Talsperre in den USA mit dem Titel „DAMNATION“, ging das Türkheimer FlussFilmFest zu Ende. Vielen Dank an die mehr als 90 Besucher und die Experten die sich an diesem Sonntag Zeit genommen hatten: Thomas Frey für den Naturschutz, Manfred Putz für die Fischerei, Heinz Förder als Filmautor und Dr. Oliver Born für den Gewässerschutz, besonders an Michael Bender und Tobias Schäfer von der Grünen Liga die extra aus Berlin angereist waren.

 

Genau drei Monate später machten sich 19 Freundinnen und Freunde der Wertach aus dem Unterallgäu auf die Reise um den Ursprung des heimatlichen Flusses kennen zu lernen. Über Kaufbeuren und Marktoberdorf ging es in die Berge nach Unterjoch wo sie Dr. Michael Schneider erwartete. Von der Moorhütte bei Oberjoch aus führte er die Gruppe gleich durch ein faszinierendes Hochmoor.

Weiter ging es durch Buckelwiesen voller Gelbem Enzian. H. Schneider zeigte und erklärte die Merkmale der vielfältigen Pflanzen und ließ die Teilnehmer ausgiebig schnuppern und probieren. Die dortigen Weiderinder können instinktiv gut zwischen Kräutern und Giftpflanzen unterscheiden. Vorbei ging die Wanderung an prächtigen Blumenwiesen, gesäumt von Lesesteinriegeln und mit verschiedenen Orchideen bewachsen.

Trotz leichtem Dauerregen waren alle gut gelaunt und schließlich kamen sie zum Zusammenfluss von Egg- und Kaltenbrunnenbach. Die Stelle auf 1078 Metern Höhe ist der Ursprung der 137 Kilometer langen Wertach. Ein anrührendes Gefühl für die Mitglieder der Fischereivereine von Ettringen, Türkheim und Bad Wörishofen sowie die beiden Ortsgruppen des BUND Naturschutz und die Ortsgruppe Wertachtal im Landesbund für Vogelschutz.

Für „ihren“ Fluss arbeiten sie seit 2014 mit großem Engagement erfolgreich zusammen. Dem klaren Gebirgswasser folgend, wanderten sie munter weiter zum Gasthof Pfeifermühle wo die Wertachfreunde die 4-stündige Tour gemütlich ausklingen ließen. Einen herzlichen Dank an Dr. Michael Schneider für die erlebnisreiche Führung und sein stets offenes Ohr für unsere vielen Fragen.

 

Bringen Sie mit uns die Wunschsteine aus der Ausstellung „Wertach- Im Fluss der Zeit“ zurück in ihr Flussbett! So lautete die Einladung und Viele kamen zum Bolzplatz in Türkheim und setzten ein Zeichen für dringend notwendige Verbesserungen. Der Bürgermeister, H. Christian Kähler, sprach das Grußwort und Gemeinderat Joe Vogel spielte mit „Querblech“ auf. Peter Ostler übernahm in seiner einzigartigen, launigen Art die Versteigerung der beiden Künstlersteine. Sie gingen an Renè Bucher und Christian Kähler. Anschließend wurden alle Steine stilecht mit einem Oldtimergespann von Oliver Rinninger zum Walterwehr gefahren und auf der Wehrmauer abgelegt. Diese Aktion machte auf das eklatante Geschiebedefizit und die starke Verbauung aufmerksam. Die Wertach braucht Struktur und Vielfalt im und am Fluss. Sie ist ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen aber auch ein Raum für unmittelbare Naturerlebnisse. Technische Anlagen sind kein Ersatz für eine vielfältige Flusslandschaft! Eine rundum gelungene und vermutlich einzigartige Veranstaltung.


Am 27. Oktober war Dr. Christine Margraf, Referentin zum Thema Wasser beim BUND Naturschutz, in Türkheim und hatte sich für unsere Anliegen Zeit genommen und im Gasthof Rose ihren gut besuchten Vortrag "Lebensadern Flüsse und Auen in Bayern" gehalten und anschließend Fragen beantwortet.

Schwer beschäftigten uns nach wie vor die Planungen zum Kraftwerksneubau am Walterwehr.

Daneben war das Abmulchen der Türkenbundlilien am Uferweg zwischen Türkheim und Ettringen ein Ärgernis.

Wir, als Wertachfreunde, sehen anhand der Besucherzahlen, dass der ungute Zustand unserer Flüsse den Bürgern nahe geht. Dass die Veranstaltungen zudem außerhalb des Landkreises wahrgenommen werden, freut uns besonders. Wie stand so treffend auf einem Wunschstein: „Land it luck!“.